Vor 5 Monaten – am 5. Dezember 2023 – habe ich dieligalebt ins Leben gerufen. Meine Liebe für den Frauenfußball und der Wunsch, mehr Zugang zu Informationen, News, Analysen, Wissen über den Frauenfußball zu schaffen, hat hier ein neues Zuhause gefunden. Was seither passiert ist, hätte ich mir niemals vorstellen können. Innerhalb von wenigen Wochen ist hier eine Community gewachsen, die den Frauenfußball liebt und lebt und all das verkörpert, was ich mir für das Projekt gewünscht habe. dieligalebt ist jetzt nicht mehr nur das Zuhause meiner Leidenschaft, sondern ein Ort, sich über Vereinsgrenzen hinweg zu begegnen, in einem sicheren Rahmen zu lernen, zu wachsen – und allem voran dem Frauenfußball von der Basis bis in die Spitze die Aufmerksamkeit zu geben, die ihm historisch verwehrt wurde und wird.
Angefangen habe ich mit Kurzvideos auf TikTok und Instagram und konnte so meine Leidenschaft für Video- und Contentproduktion mit der des Frauenfußballs verbinden. Die Community wächst seither stetig und organisch und ich bin dankbar für jede Person, die dieses Herzensprojekt unterstützt. Und ehrlich gesagt, es ist für mich mittlerweile viel mehr als ein „Projekt“ geworden. Auf Dauer habe ich mir deshalb etwas gewünscht, was nachhaltiger ist. Was übersichtlicher ist, was Themen verknüpfen kann, was Wissen vertiefen kann. Was über Transfers, Spielergebnisse und Analysen hinausgeht. Eine Webseite war für mich so der nächste logische Schritt.
Also heute – 5 Monate später, am 5.5. um 5:55 Uhr – ist es soweit: dieligalebt.de erblickt das Licht der Internetwelt!
AHHH! Ich freu‘ mich so sehr!
In Zukunft werdet ihr hier Artikel, Interviews, Analysen, Kommentare, Inputs bekommen, die ein bisschen mehr Tiefe erlauben, als es sich auf Social Media eignet. Die Webseite wird nach und nach ausgebaut und organisch entwickelt. Ich wünsche mir, dass wir so gemeinsam mehr lernen können. Ich lerne selbst ja auch noch ganz viel, von Pionier*innen1, von Spieler*innen, von Trainer*innen, von Kommentator*innen, von Journalist*innen, von euch. Ich liebe es, mich in Themen hineinzudenken, um die Ecke zu denken, mehr zu verstehen – besonders bei diesem Thema, was jahrzehntelang (und let’s be honest, bis heute) massenmedial nur oberflächlich behandelt wurde. Der Frauenfußball hat Tiefe, er hat eine Geschichte, er hat Besonderheiten. Die werden im Fußball als hegemonial-männliche2 Sportkultur selten beachtet. Der Frauenfußball wird als „anders“, als „weniger“ bewertet, als immer dem Männerfußball nacheifernd und anstrebend. Das erhält diese Vormachtstellung bewusst und oft auch unbewusst aufrecht.
Der Fußball der Frauen ist aber mehr als die kleine Schwester des Männerfußballs, die ihm alles nachmachen will. Im Gegenteil. Die Zeit, in der der Frauenfußball von oben herab belächelt werden kann ist vorbei. Die Weltmeisterschaft 2023 und die darauffolgende Saison in der Google Pixel Frauen-Bundesliga haben bewiesen, dass auch die vermeintlichen Underdogs jetzt mithalten können. Die Ligen sind kompetitiv, jeder kann gegen jeden gewinnen, jedes Spiel überzeugt mit technischer, taktischer und sportlicher Brillanz und lässt Fußballherzen höher schlagen. Wer als Fußballinteressierte*r 2024 noch sagt, der Fußball der Frauen sei langweilig und würde niemanden interessieren, ist Verschwörungstheoretiker*in.
Einige Journalist*innen arbeiten seit Jahren daran, diese Ernsthaftigkeit in die Gesamtgesellschaft zu bringen. Sie sind da, aber sie werden kaum beachtet. Sie leisten unfassbare Arbeit, die extrem wertvoll ist. Mara Pfeiffer und Annika Becker (beide u.a. Podcast Becker & Pfeiffer und Bolztribüne), Nina Potzel (u.a. Podcast Die 45), Petra Tabarelli (u.a. Kollektiv FRÜF), Franziska Blendin (u.a. Podcast Legende Verloren) und Mo | Freddy Mo Werner (u.a. Inklusion Fußball) sind nur einige Namen, die hier dringend genannt werden müssen. Magenta Sport hat früh viel für die Sichtbarkeit getan und die Spiele der Frauen-Bundesliga übertragen, bevor das große Interesse mit der EM 2022 kam. Es gibt einige Initiativen, die den Frauenfußball seit Jahren mit Herzblut unterstützen und weiterentwickeln, wie beispielsweise Hawar Scoring Girls* von Tuğba Tekkal. Ich hoffe, dass ich mit dieligalebt auf Social Media und nun auch hier meinen Teil dazu beitragen kann, den Fußball der Frauen genauer zu beleuchten und meine medienwissenschaftlichen und -pädagogischen Hintergründe Mehrwert im Diskurs bringen können – auch kritisch über das Sportliche hinaus. Das Wissen über die Strukturen und Hintergründe gesamtgesellschaftlich zu verbessern ist in meinen Augen besonders aufgrund der Geschichte des Frauenfußballs eine klare Notwendigkeit.
Hier kriegt ihr also in Zukunft all das, was ihr schon von TikTok oder Instagram kennt – nur noch ein bisschen detailreicher und deeper, sodass ihr nicht nur für jede nächste Diskussion mit Männerfußballmachos gewappnet seid – sondern vor allem auch für die innerhalb der Community, mit Freund*innen, die sich genauso für den Frauenfußball interessieren wie wir. Mit neuen Freund*innen, die den Frauenfußball eigentlich gar nicht so scheiße finden, wie sie durch die massenmediale Berichterstattung immer dachten und ihn durch unsere gemeinsame Arbeit als Community lieben lernen. Auf dass wir in Zukunft in den Bars der Welt sitzen und – während auf dem Kneipenbildschirm ein Frauenfußballspiel läuft – lautstark über den Fußball der Frauen fachsimpeln können.
- Ich nutze hier gendergerechte Sprache mit Sternchen. Frauenfußball ist und war schon immer Raum für queere Kämpfe und bleibt es auch hier. Das Sternchen hat eine Bedeutung und ist daher zum Glück auch mittlerweile am etabliertesten. ↩︎
- hegemonial bedeutet „führend“ oder „dominant“ – und der Fußball ist so sehr mit Männlichkeit verbunden und historisch durch die Vormachtstellung von Männerfußball geprägt, dass der Fußball in der Wissenschaft häufig als „hegemonial-männliche Sportkultur“ bezeichnet wird. ↩︎
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