Die Saison ist vorbei. Der Impact bleibt.

Wow, wie kann die Saison schon wieder vorbei sein? Diese Rückrunde ist aber auch verflogen. Mitten in der Sommerpause ist Zeit für einen kleinen (oder großen) Rückblick.

Die Saison 2023/24 startet im Dreisamstadion in Freiburg. Es ist der 15. September, Dr. Riem Hussein lässt die Frauen-Bundesliga mit dem Startpfiff um 18:15 Uhr in die 33. Runde starten. Seit ihrer Einführung im Jahr 1990 hat sich in der Liga allerdings einiges verändert – sie ist jetzt nicht mehr nur politische Notwendigkeit für einen Verband, der Frauenfußball ohne das Drängen der UEFA und der Pionierin Hannelore Ratzeburg vermutlich noch länger nicht ermöglicht hätte. Und allein im zweiten Satz dieses Beitrags verbergen sich zwei Infos, die zu diesem allerersten Spieltag der Saison 1990/91 lange verwechselt wurden, weil der DFB die Daten nicht herausgeben konnte und wollte: Die Anstoßzeit, Namen der Schiedsrichter (oder Schiedsrichter*innen?), und übrigens auch nicht, wer das erste Tor der Saison und der Liga schoss. Das Rätsel wird erst durch akribische Recherchen in Archiven, die Franziska Blendin und Sascha Düerkop durch einen Hinweis von Freddy Mo Wenner beginnen, halbwegs lösbar. Wenner stand damals selbst auf dem Platz und ist sich sicher: die Anstoßzeiten stimmen nicht. Dann wird klar, dass die erste Torschützin der Liga nicht, wie lange angenommen, Iris Taaken vom SV Wilhelmshaven sein kann, sondern Katja Bornschein vom FSV Frankfurt, dessen Spiel gegen Wenners TuS Binzen bereits um 11 Uhr begann. Wer da sonst noch um 11 Uhr mit Wenner und Bornschein sowie um 14 Uhr mit Taaken stand – keine Ahnung, dokumentierte Aufstellungen gibt’s erst ab 2003/04, vorher nur bei einzelnen Spielen.

Zurück zum ersten Spiel der Saison 2023/24 der Frauen-Bundesliga, die nun zum ersten Mal den Vornamen “Google Pixel” trägt. Auch wenn das Spiel in Freiburg stattfindet, kann ich heutzutage sowohl den Anpfiff als auch das erste Tor und den Rest des Spiels live beobachten. Was ein Luxus. In der 7. Spielminute passiert das, was wir die restliche Saison nicht allzu häufig sehen werden: Bayerns Kapitänin Glódís Viggósdóttir macht einen Fehler, passt viel zu kurz. Cora Zicai schnappt sich den Ball vor Keeperin Mala Grohs, knallt ihn gegen den Pfosten, er landet vor dem leeren Tor vor Janina Minges Füßen, deren Schuss gerade so von Sarah Zadrazil abgewehrt werden kann – den Nachschuss hebt sie jedoch gekonnt über die am Boden liegende Österreicherin in die Maschen. Hach, es ist schön, Ticker und Aufstellungen griffbereit auf dem Smartphone zu haben und sich jederzeit wieder die Highlights ansehen zu können. Ich spule noch einmal vor und zurück, einfach weil ich’s kann. Auch dann geht’s weiter mit Dingen, die in dieser Saison unerwartet eher rar bleiben: defensiv starke Freiburgerinnen. Und offensiv eigentlich auch, sie feuern in diesem Spiel 5 Schüsse aufs Tor, sonst liegt der Freiburger Schnitt in dieser Saison bei 3,5 pro Spiel. Die Bayern gleichen aus, gehen sogar noch in der 90. Minute in Führung. In einem Nachspielzeitkrimi kann Freiburg das umkämpfte Spiel vor 13.234 Fans auf 2:2 stellen. Auch die anderen Begegnungen an diesem Spieltag unterhalten: Die TSG Hoffenheim schiebt sich zum Saisonstart mit dem 9:0 gegen Duisburg auf Platz 1 der Tabelle. Nach dem frühen Führungstreffer müssen sich die Aufsteigerinnen aus Nürnberg mit einem 1:5 gegen Werder Bremen geschlagen geben. Köln und Leipzig kämpfen hart, die Leipzigerinnen gehen mit der ersten Niederlage nach Hause (2:1) – und beide Teams mit je einer gelbroten Karte. Wolfsburg sammelt souverän die ersten drei Punkte durch den 3:0-Sieg gegen Leverkusen. Die SGS Essen gewinnt zuhause 2:0 gegen Frankfurt, mit nur 28% Ballbesitz. Was an diesem Spieltag passiert, ist nur ein kleiner Vorgeschmack dessen, was uns diese Saison an Überraschungen erwarten wird. Oh, ihr Vergangenheits-Ihrs, wenn ihr nur wüsstet!

Die Hinrunde

Nach den ersten Spieltagen wird bereits deutlich: Diese Saison wird besonders. Frankfurt hat Startschwierigkeiten, im Heimspiel gegen Wolfsburg können die Hessinnen – nach dem unfassbaren 4:0-Sieg vor derselben Kulisse nur einige Wochen zuvor – dieses Mal nur mit einem 2:4 zurück in die Katakomben des Waldstadions gehen. In den folgenden Wochen arbeiten sie sich langsam in der Tabelle nach oben, auch durch ein torloses Unentschieden in der Münchener Allianz-Arena. Freiburg hat einen durchwachsenen Start in die Saison: zwei Remis, zwei Niederlagen, zwei Siege, alle davon in eher unerwarteten Gegnerinnen-Konstellationen. Vieles wirkt instabil, unsortiert, fahrig, besonders in der Defensive. Die Breisgauerinnen, die sich für diese Saison viel vorgenommen hatten, kassieren in der Hinrunde die drittmeisten Gegentore – 23, wie Leipzig. Die meisten Gegentore landen auf dem Konto des MSV Duisburg, die in der Hinrunde ganze 34 Tore kassieren und selbst nur 7 Tore erzielen. Gegen Freiburg und Leipzig können sie jeweils einen Punkt behalten. Ansonsten rasselt es nur Niederlagen.

Die Aufsteigerinnen tun sich wie gewohnt schwer, in der 1. Frauen-Bundesliga anzukommen. Leipzig startet gut in die Saison, kann bereits am 2. Spieltag den ersten Bundesliga-Sieg der Vereinsgeschichte feiern – und das gegen die starke und überlegene SGS Essen (3:2). Vanessa Fudalla zeigt zum ersten Mal ihre unfassbare Goalgetter-Qualität, Torschüsse aus unmöglich scheinenden Positionen zu verwandeln, die sie im Verlauf der Saison zwischenzeitlich an die Spitze der Torschützinnenliste tragen wird. Dennoch wird dies der einzige Sieg der Hinrunde bleiben, wodurch sie sich zu diesem Zeitpunkt auf einem Abstiegsplatz befinden. Die Nürnbergerinnen tun sich genauso schwer, sich an das Niveau in der höchsten Spielklasse anzupassen. Bis zum ersten Sieg an Spieltag 5, als sie auswärts in Freiburg durch ein 0:2 zum ersten Mal 3 Punkte sammeln. Die größte Überraschung gelingt den Fränkinnen an Spieltag 10: vor einer 4.149-Zuschauer*innen-starken Heimkulisse können sie den Tabellenführerinnen aus München in einem spannenden 1:1 zwei Punkte klauen.

Leverkusen ordnet sich nach einem souveränen Start im Mittelfeld der Bundesliga-Tabelle ein. Köln tut sich schwer, kann in der Hinrunde nur gegen Duisburg und die beiden Aufsteigerinnen dreifach punkten. Die TSG Hoffenheim kann nach dem Kantersieg gegen Duisburg am ersten Spieltag noch viermal siegen. Gegen Leverkusen und Wolfsburg gelingt ihnen jeweils ein 2:2-Unentschieden. Geschlagen geben müssen sie sich gegen Bayern, Europa-Konkurrent Frankfurt und – überraschenderweise – gegen Essen und Freiburg. Wolfsburg erfüllen ihr Soll in der Hinrunde – sie gewinnen neun Spiele, dazu kommt das Unentschieden gegen Hoffenheim und eine 1:2-Niederlage gegen Bayern München. Die hingegen verlieren bis dahin kein einziges Spiel – lassen jedoch in drei Remis gegen Freiburg, Frankfurt und Nürnberg so viele Punkte liegen, dass Wolfsburg die Hinrunde auf Platz 1 der Tabelle beenden kann.

Überraschungstüte Mittelfeld

Die größten Überraschungen der Hinrunde: Werder Bremen und die SGS Essen. Was haben die in der Sommerpause bitte gegessen? Erstmal zu Werder Bremen. Erinnert ihr euch an die letzte Saison? Die Bremerinnen haben mit Ach und Krach den Klassenerhalt geschafft, nachdem die Hinrunde mit nur einem Sieg (gegen Leverkusen) wirklich schiefgelaufen ist. In der Rückrunde konnten sie ihre Punktzahl von 7 auf 14 verdoppeln und, auch dank schlechter Leistungen der Konkurrenz, von Tabellenplatz 11 auf Platz 6 klettern. In dieser Saison zeigen die Frauen von der Weser ein ganz anderes Gesicht. Mit Biss und Kampfgeist sammeln sie allein in der Hinrunde 16 Punkte und eine Tordifferenz von 8 – je nur 1 weniger als die TSG Hoffenheim.

Die SGS Essen kann in der Hinrunde sogar 17 Punkte sammeln und landet mit dem Torverhältnis von 16:10 auf Platz 5, zwischen der TSG und Werder. Als Frankfurterin passt mir deren Höhenflug an Spieltag 1 noch nicht so gut in den Kram – danach verliebe ich mich. Der letzte reine Frauenverein in der höchsten Spielklasse gehört ohnehin unterstützt, aber bei deren Leistung in dieser Saison fällt das auch mehr als leicht. Mit extrem viel Spielwitz, Kreativität, Ausdauer und Kampfgeist färben die Essenerin mein Fußballherz ein bisschen mehr lila. Die Abgänge von Vivien Endemann, Ella Touon und Antonia Baaß können sie mehr als easy kompensieren, bringen mit Lilli Purtscheller eine österreichische Flügelflitzerin ins Spiel, die die Offensive mit Ramona Maier zentral und Laureta Elmazi linksaußen perfekt komplettiert. Maier und Elmazi sind mit 4 Toren in der Hinrunde die besten Torschützinnen der SGS. Standard-Göttin Natasha Kowalski wird mit 3 Toren und 3 Vorlagen beste Scorerin. Auch defensiv ist die SGS bewundernswert. Mit Lena Ostermeier, Laura Pucks, Jacqueline Meißner und Beke Sterner steht dort eine starke Kombination aus Erfahrung und jungen Talenten – und statistisch die individuell stärkste Defensive der Liga.

Der most iconic Spieltag

Nachwuchs im Spotlight, unerwartete Ergebnisse und vergessene Hosen – ein Spieltag hat die besten Geschichten geliefert. Spieltag 10 war einer für die Meme-Bücher. Aber auch einfach so iconic, weil echt viel Schönes passiert ist. Zum Beispiel haben an diesem Spieltag vereinsübergreifend viele junge Nachwuchsspielerinnen die Chance bekommen, sich zu zeigen. Bei Leverkusen darf Paulina Bartz (19) gegen Duisburg starten und bedient direkt in der 5. Spielminute Karólína Vilhjálmsdóttir zum 1:0. In der 63. Spielminute wird sie ausgewechselt, für sie kommt Loreen Bender (18) ins Spiel. Für Köln steht Paula Hoppe erstmals volle 90 Minuten im Tor. Die 17-Jährige ersetzt Jasmin Pal, die sich am vorherigen Spieltag verletzte. Bei Freiburg steht die 18-jährige Alina Axtmann in der Startelf, Cora Zicai (19) wird später eingewechselt. Auf der Frankfurter Seite gibt Dilara Açıkgöz (19) ihr Bundesliga-Startelfdebüt. Im Interview danach erzählt sie, Trainer Niko Arnautis habe ihr die frohe Botschaft erst am selbigen Morgen verkündet, damit sie gut schlafen kann. Ihre Zwillingsschwester Ilayda sowie Sophie Nachtigall (jetzt 20) werden später eingewechselt. In Hoffenheims Startelf stehen die damals 19-jährige Vanessa Diehm und die 20-jährige Belgierin Jill Janssens. Bei Leipzig dürfen die damals 19-jährige Korina Janež und die 20-jährige Julia Landenberger starten, Mia Werner (18) gibt später ihr Bundesligadebüt. Für Nürnberg startet die 19-jährige Rebekka Salfelder, Nele Bauereisen (19, jetzt 20) darf später auch ran. Für Bayern startet das Nachwuchswunder Franziska Kett. Bei Wolfsburg verletzt sich Kathy Hendrich in der 12. Minute und Camilla Küver darf sich für den Rest des Spiels zeigen. Die most iconic Momente hab ich euch in diesem Video zusammengefasst:

Hinrundentabelle 2023/2024

Pl.VereinSpSUNTGTTDP
1VfL Wolfsburg119112781928
2FC Bayern München118302041627
3Eintracht Frankfurt1172223111223
4TSG Hoffenheim115242617917
5SGS Essen115241610617
6SV Werder Bremen115152012816
7Bayer 04 Leverkusen114432014616
8SC Freiburg114341523-815
91. FC Köln113171420-610
101. FC Nürnberg11227727-208
11RB Leipzig11137823-156
12MSV Duisburg11029734-272

Wintertransfers

Die Winterpause kommt mit einigen Überraschungen. Bayer 04 Leverkusen hat gleich vier Abgänge im Winter: Amira Arfaoui (zu Nürnberg), Lara Marti (zu RB Leipzig), Mia Eickmann (zu M’Gladbach) und Eva van Deursen (zu SD Eibar). Es gibt im Gegenzug zur einen Neuzugang, Julie Jorde kommt aus der norwegischen Toppserien. Die Bayern verstärken sich mit Linda Sembrant in der Abwehr (Leihe, Juventus Turin) und Momoko Tanikawa im Mittelfeld, die aber für den Rest der Saison an FC Rosengard verliehen wird. Lina Magull verlässt den Verein und schließt sich Inter Milan an. Maximiliane Rall ebenso, geht aber in die NWSL zu den Chicago Red Stars. Eintracht Frankfurt verliert Letícia Santos nach Brasilien und kann Remina Chiba und Pernille Sanvig neuverpflichten.

Der 1. FC Köln verstärkt sich mit Sara Agrež (Wolfsburg) und Carlotta Wamser (Leihe, Eintracht Frankfurt). Bei Hoffenheim verändert sich nicht viel, nur Nachwuchstalent Mathilde Janzen wechselt an die Weser. Bei Werder Bremen kommt zudem Torhüterin Guro Pettersen für die verletzte Catalina Perez zur Unterstützung. Lisa Josten verlässt den Verein in Richtung Duisburg. In Duisburg bewegt sich wiederum viel, vier Spielerinnen verlassen den ohnehin dünnen Kader: Brooke Denesik, Kaitlyn Parcell, Emilie Henriksen und Julia Kappenberger. Neben Lisa Josten verstärken Jana Radosavljević, Haley Thomas, Taryn Ries und Ingibjörg Sigurðardóttir die Zebras ab der Winterpause. Elena Mühlemann verlässt Nürnberg zur Zweitvertretung der Eintracht Frankfurt, neben Amira Arfaoui laufen in Zukunft auch Selma Sól Magnúsdóttir und Dana Leskinen für den Club auf – letztere verlässt den Verein allerdings während der Saison wieder.

Freiburg kann sich nach der schwierigen Hinrunde mit besonders spannenden Transfers verstärken: Annie Karich, die junge Schweizerin Leela Egli und die österreichische Nationalstürmerin Eileen Campbell. Mia Büchele wechselt zum Hamburger SV. Auch Marie Müller verlässt den SC Freiburg in Richtung USA, sie läuft ab sofort im Trikot der Portland Thorns auf. Die SGS Essen kann sich mit Lena Göppel verstärken, Kassandra Potsi wird aus der eigenen U17 hochgezogen. Maria Edwards verlässt den Verein. RB Leipzig verliert Fatma Sakar an Union Berlin und kann neben Lara Marti mit Mimmi Larsson noch einen weiteren Neuzugang verzeichnen. In Wolfsburg gibt es neben Sara Agrež mit Felicitas Rauch einen weiteren Abgang – sie zieht es auch in die NWSL und schließt sich North Carolina Courage an. Als Ersatz wird die 19-jährige Ungarin Diana Németh verpflichtet.

Der erste Spieltag der Rückrunde sieht ganz anders aus als das in der Hinrunde der Fall war. Freitags gewinnt Hoffenheim in Duisburg 0:2, das Hinspiel fiel mit dem 9:0 deutlich höher aus. Samstags kann Leipzig das Ergebnis aus der Hinrunde drehen und gewinnt zuhause gegen Köln 2:1. Nach der schwachen Hinrunde starten sie also direkt mit einem Sieg in die Rückrunde, der dieses Mal auch nicht der einzige bleibt. Bremen gewinnt zuhause nach einer torlosen ersten Halbzeit 4:0 gegen Nürnberg. Per Elfmeter kann Bremen den ersten Treffer erzielen nachdem die Schiedsrichterinnen ein Handspiel bei Kapitänin Lara Schmidt sehen – Fehlentscheidung. Den Ball hat sie nämlich ordentlich und auch danach sichtbar ins Gesicht bekommen. Sonntags kann Leverkusen den Wölfinnen zuhause einen Punkt abzwingen. Mit einem umkämpften und verletzungsträchtigen 1:1 trennen sich die beiden Teams. Die SGS Essen unterliegt dieses Mal der Eintracht Frankfurt. Ein Tor von Sara Doorsoun reicht für drei Punkte, klassische Kategorie Arbeitssieg. Montags treffen dann noch der FC Bayern München auf den SC Freiburg. Im Hinspiel noch ein ausgeglichenes 2:2, scheppert es dieses Mal gleich viermal im Kasten der Gästinnen aus Freiburg, denen selbst kein einziger Torschuss gelingt.

Die Rückrunde

In der Rückrunde ändert sich einiges. Die Wintertransfers schlagen voll ein. Linda Sembrant ersetzt die verletzte Magdalena Eriksson in der Münchener Innenverteidigung mit Bravour und beglückt so manche*n Kickbase-Manager*in. Sie glänzt auf dem Spielfeld, hat hervorragende Statistiken und nicht umsonst am Ende der Saison den permanenten Wechsel zum FC Bayern München bekanntgegeben. Carlotta Wamser bringt Schwung in den Kölner Sturm. Mimmi Larsson ist mit 3 Toren und 3 Vorlagen die zweitbeste Leipziger Scorerin in der Rückrunde. Eileen Campbell wird mit 3 Toren und 2 Vorlagen zur besten Rückrunden-Scorerin beim SC Freiburg.

Leverkusen bleibt mit 4 Siegen, 3 Rémis und 4 Niederlagen im Mittelfeld der Tabelle. Vor allem Dank der Leihen vom FC Bayern München (Vilhjálmsdóttir und Bragstad) und Tottenham Hotspur (Karczewska) klappt es weiterhin, ausreichend Tore zu schießen, um die Klasse zu halten. Überraschend sind neben dem 1:1 gegen Wolfsburg am 12. Spieltag auch der 2:0-Sieg gegen Eintracht Frankfurt und die Niederlage gegen Leipzig. Denn Leipzig zeigt in der Rückrunde ein ganz anderes Gesicht. Ganze 6 Siege fahren die Sächsinnen ein, neben dem Sieg gegen Leverkusen nicht nur gegen Köln, Duisburg und Nürnberg, sondern auch gegen Frankfurt und Hoffenheim. Von Bremen und Essen trennt man sich mit zwei Unentschieden. Niederlagen kassiert Leipzig nur gegen Wolfsburg und München – und am letzten Spieltag in Freiburg. Neben Neuzugang Mimmi Larsson, dreht auch Vanessa Fudalla voll auf. Mit insgesamt 10 Toren und 4 Vorlagen ist sie Leipzigs beste Scorerin der Saison und landet ligaweit auf einem gemeinsamen 3. Platz der Torschützinnenliste mit Nikola Karczewska.

Freiburg muss hingegen 6 Niederlagen hinnehmen und erkämpft sich gegen Leverkusen und die Schlusslichter aus Nürnberg und Duisburg jeweils ein Unentschieden. Neben dem Sieg am letzten Spieltag gegen Leipzig, können die Breisgauerinnen in der Rückrunde nur gegen Bremen 3 Punkte sammeln. So landen sie am Ende auf Platz 9 der Tabelle, in der Rückrunde fließen zudem nur 9 Punkte auf deren Konto. Dennoch ist zumindest eine spielerische Steigerung im Gegensatz zur Hinrunde auszumachen. Die fleißigen Transfers machen einen sichtbaren Unterschied, defensiv zwar nur minimal, doch offensiv bringt vor allem Neuzugang Eileen Campbell ordentlich Feuer. Raffaela Borggräfe wird nach viel Hin und Her auf der Torhüterinnenposition die Stammkeeperin der Restsaison und zeigt gute Leistungen. Der 1. FC Köln steckt in der Rückrunde tief im Abstiegskampf. Gegen die wenigen Teams, die in der Tabelle unter dem „Effzeh“ stehen, rasselt es Niederlagen – lediglich gegen Duisburg trennt man sich mit einem torlosen Unentschieden. Nur gegen Bremen und Freiburg können die Kölnerinnen 3 Punkte entführen. Am Ende reicht es gerade so, um die Klasse zu halten. Auch Dank Selina Cerci, die nach einjähriger Pause wegen eines Kreuzbandrisses wieder zurückkommt und ihre Qualitäten sofort auf den Platz bringen kann.

Die SGS Essen zeigt weiterhin starke Leistungen, gewinnt auch in der Rückrunde gegen Hoffenheim. Die Essenerinnen liefern so ab, dass sie am Ende bessere Chancen auf einen Champions-League-Platz haben als die TSG Hoffenheim. Durch die Niederlage im direkten Vergleich gegen Eintracht Frankfurt in der Rückrunde, klappt es am Ende doch nicht. Aber: Platz 4 wird es trotzdem. Damit hat am Anfang der Saison wohl niemand gerechnet. Der letzte reine Frauenverein. Immer wieder wird gefragt: „Wie lange könnt ihr euch eigentlich noch halten?“ Dass der Verein irgendwann nicht mehr mithalten kann, scheint für viele ganz klar zu sein. Doch aktuell sieht nichts danach aus, auch Leistungsträgerinnen wie Sophia Winkler, Ramona Maier, Beke Sterner, Jacqueline Meißner und Laureta Elmazi verlängern ihre Verträge im Laufe der Saison, alle langfristig. Zuletzt gibt der Club bekannt, die Frauenabteilung aus dem Gesamtverein ausgegliedert zu haben, u.a. um als GmbH & Co. KGaA mehr wirtschaftliche Möglichkeiten zu haben. Es hat Vorteile, unterschätzt zu werden.

Stadion an der Hafenstraße am letzten Heimspieltag der SGS Essen. Auf den Rängen der Tribüne hängt ein Banner: "Danke für die Saison"
Die Spielerinnen stehen am letzten Heimspieltag vor den Fans und bedanken sich.

Werder Bremen ist vom Verletzungspech verfolgt. Die kolumbianische Nationaltorhüterin Catalina Pérez reißt sich Anfang des Jahres das Kreuzband, kurz später dann auch Kapitänin Lina Hausicke. Auch Ricarda Walkling und Jette Behrens fallen im Laufe der Saison mit Bänderrissen aus (Spoiler Alert: In der kommenden Saison wird’s nicht besser). Dennoch kann Werder Bremen die guten Leistungen der Hinrunde aufrechterhalten, auch weil Livia Peng so einiges hält, was aufs Tor kommt – auch 75% aller Elfmeter. Eine schöne Geschichte liefert Bremen mit Jasmin Sehan, die nach langer Verletzungspause beim Comeback sehenswert ins Tor trifft. Die TSG Hoffenheim startet mit 5 Siegen und einem Unentschieden in die Rückrunde – auch gegen Wolfsburg gewinnen sie mal wieder. Dann folgen zwei Unentschieden. Die letzten vier Spiele der Saison gegen Essen, Frankfurt, Leipzig und Bayern München verlieren sie alle. Damit geben sie den Champions-League-Qualifikations-Platz aus der Hand – spätestens durch den direkten Vergleich mit der Eintracht Frankfurt, in dem diese die Hoffenheimerinnen mit einem 1:3 abfertigen. Frankfurt spielt die Saison souverän zu Ende, verliert erneut gegen Wolfsburg, kratzt gegen München am Sieg und verliert dann doch. Überraschend waren in der Rückrunde die Niederlagen gegen Leverkusen und Leipzig. Am Ende reicht es für den 3. Platz – Eintracht Frankfurt International!

Die Meisterschaft bleibt allerdings weiterhin ein Duell zwischen dem VfL Wolfsburg und dem FC Bayern München. Erstere starten, wir erinnern uns, auf dem 1. Tabellenplatz mit diesem schlimm umkämpften Unentschieden gegen Leverkusen in die Rückrunde. Dann folgen Siege – bis zu Spieltag 16. Die Wölfinnen treffen hier auf die TSG Hoffenheim, die sie zehn Tage zuvor im Pokal-Viertelfinale 3:0 besiegen. Doch in der Liga sieht es anders aus. Wie auch in der Saison zuvor können die Kraichgauerinnen dem VfL Wolfsburg nicht nur gefährlich werden, sondern einen 2:1-Sieg einfahren. In der Woche danach treffen die giftgrünen Niedersächsinnen im direkten Duell auf den FC Bayern München und verlieren auch zuhause wieder – 0:4. Zu diesem Zeitpunkt haben die Münchenerinnen ohne jeglichen Punktverlust 7 Punkte Vorsprung. Das bleibt auch so – sie gewinnen jedes einzelne Spiel in der Rückrunde. Doch auch der VfL Wolfsburg gewinnt ab diesem Zeitpunkt jedes Spiel. Am Ende fehlen jedoch diese 7 Punkte Rückstand, um den FC Bayern München einzuholen. Die Bayerinnen feiern schon an Spieltag 20 die Meisterschaft, nach dem 1:2-Auswärtssieg gegen Leverkusen. Nach Abpfiff wurde ausgelassen gefeiert, es gab die ein oder andere Bierdusche für alle Beteiligten (besonders natürlich Trainer Alexander Strauss). Lautstark sangen Team und Fans: “Deutscher Meister ist nur der FCB” – vor der Hintergrundkulisse der BayArena, Heimstätte der Leverkusener Männer, die den Bayern-Männern hier den Titel diese Saison abgeluchst haben. Kam saftig. Im DFB-Pokal konnten die beiden Spitzenreiterinnen nochmal ihre Kräfte messen. Beide standen am 9. Mai in Köln im Finale. Hier sah alles ganz anders aus, der FC Bayern München unterlag den dominanten Wölfinnen mit 0:2. Die Rekord-Pokal-Siegerinnen bleiben in diesem Wettbewerb die Übermacht. Bald können sich die beiden wieder messen – am 25. August 2024 in Dresden im wieder neu eingeführten Google Pixel Supercup.

Die Zweitplatierten der vergangenen Saison in der 2. Bundesliga, der 1. FC Nürnberg, kämpft bis zum bitteren Ende. Ganz nach dem Motto „Mutig bis zum Schluss.“ Gegen Freiburg können die Clubfrauen zuhause ein torloses Unentschieden erkämpfen, in Köln sogar einen Sieg, der es in sich hat. Das war wirklich eines meiner absoluten Lieblingsspiele der Saison, weil es nicht nur vom Spielverlauf UND Abstiegskampf her ein Nervenkrimi war, sondern auch, weil es dieses Motto so durch und durch verkörpert hat. Das Spiel ist umkämpft, es hagelt Fouls und gelbe Karten. In der gesamten Partie gibt es 37 Fouls, sonst liegt der Schnitt in einem Spiel dieser Saison bei 10,62 Fouls pro 90 Minuten! Sowohl Nürnberg mit 12 Fouls/90 Min. als auch Köln mit 11,1 Fouls/90 Min. liegen zwar über diesem Schnitt, aber auch weit entfernt von den 16 Fouls von Nürnberg und den ganzen 21 Fouls, die Köln in der Partie beging. In der 26. Minute gibt es dann Elfmeter für Nürnberg, Kapitänin Schmidt verwandelt sicher zum 0:1. Tore gibt es in der ersten Halbzeit sonst keine mehr. In der zweiten Hälfte sieht das ganz anders aus. Speedmaschine Vanessa Haim erhöht in der 50. Minute auf 0:2, in der 54. Minute hilft Kölns Innenverteidigerin Celina Degen nach, die Haims Querpass ins eigene Tor bugsiert. Das Spiel ist anstrengend, viele sind gelb vorbelastet, es passiert lange wenig, ab der 59. Minute wechselt Nürnberg dreimal und Köln viermal. Selina Cerci kommt in der 75. Minute aufs Spielfeld, Comeback nach einem Jahr Kreuzbandriss. In der 80. Minute trifft sie. Dann kann Degen ihr Eigentor wiedergutmachen und trifft in der 88. Minute zum 2:3. Es gibt 6 Minuten Nachspielzeit und es passiert tatsächlich: Köln trifft 90+1 in Form von Padilla-Bidas zum 3:3. Einen 3-Tore-Vorsprung innerhalb von 11 Minuten verschenken, muss man erstmal schaffen. ABER: Nürnberg wäre nicht Nürnberg, wenn sie nicht „mutig bis zum Schluss“ bleiben würden. Köln verliert im Übermut den Ball an Lara Felix, die schickt Dešić per Steckpass durch die Mitte, die auch von einer Wiankowska-Grätsche unbeeindruckt bleibt und den Ball ins lange Eck schiebt. 3:4 endet das Spiel. Spannung und emotionale Achterbahn, das kann Nürnberg wirklich. Der Fan-Support und Zusammenhalt im Team ist unglaublich. Doch am Ende reicht das leider nicht für den Klassenerhalt. Ich persönlich würde mich freuen, wenn sie den Aufstieg in der kommenden Saison wieder schaffen, weil dieser Teamspirit jede Liga wahnsinnig bereichert und die größte Bühne verdient (und sind wir ehrlich: Die 2. Liga ist halt leider quasi eine Bühne, deren Vorhang vorsätzlich verschlossen bleibt, weil man vergessen hat, die Vorstellung anzukündigen. Oder so).

Aller Abschied ist schwer. Mancher schwerwiegender. So beispielsweise der des MSV Duisburg. Wie bereits berichtet wird der Meidericher Spielverein nicht nur sieglos absteigen, sondern kann sich auch die Zweitligalizenz nicht leisten. Nach dem Verlust des Hauptsponsoren und -investoren Capelli wäre sicherlich selbst bei Klassenerhalt keine Meldung in der 1. Liga drin gewesen. Aber hätte-hätte-Fahrradkette, im Sport sind Konjunktive nutzlos. Die Abwärtsspirale des MSV Duisburg ist sicherlich multifaktoriell, ein Teufelskreis. Zumindest den sportlichen Faktor schauen wir uns trotzdem noch an. Der lässt sich nämlich eigentlich besonders in der Rückrunde schon sehen, wenn auch die Ergebnisse ein anderes Bild zeigen. An Spieltag 13 und 14 schaffen die Zebras je ein Rémis, erst in Freiburg, dann gegen Köln. Jedes andere Spiel der Rückrunde verlieren sie. Nach den zwei Unentschieden in der Hinrunde konnten die Duisburgerinnen so nur 4 Punkte sammeln. Spielerisch hat man dem Kader individuell schon angemerkt, dass da irgendwo Feuer ist, dass da Ballerinnen sind, die 1. Liga spielen sollten. In den entscheidenden Momenten hat die endgültige Willens- und Durchsetzungskraft im Kollektiv gefehlt, was sicherlich interne Differenzen und Bedingungen auch spiegelt. Dass die einst so erfolgreiche und historisch bedeutsame Duisburger Frauenfußballtradition so gegen die Wand gefahren wird, ist wirklich beschämend. Wenn sich etwas verändern soll, muss da in der Vereinsführung wirklich ein radikales Umdenken passieren. Am Ende der Saison wurden also alle Spielerinnen des aktuellen Kaders verabschiedet. Einige Spielerinnen haben zum Glück bereits ein neues Zuhause gefunden. Allen anderen wünsche ich, dass sie auch einen Club finden, in dem sie Wertschätzung erfahren, sich weiterentwickeln können, ihre Stärken weiter ausbauen können, die wirklich in jedem Spiel zumindest kurz aufblitzten. Wie viele am Ende beim MSV Duisburg bleiben, um dort (eventuell, wenn’s klappt) Regionalliga zu spielen? Ich bin gespannt.

Rückrundentabelle 2023/2024

Pl.VereinSpSUNTGTTDP
1FC Bayern München1111004043633
2VfL Wolfsburg1181240112925
3Eintracht Frankfurt117041914521
4RB Leipzig116231818020
5SGS Essen115331716118
6TSG Hoffenheim115241718-117
7Bayer 04 Leverkusen114341411315
8Werder Bremen113351419-512
9SC Freiburg112361121-109
101. FC Köln112271123-128
111. FC Nürnberg11218934-257
12MSV Duisburg11029930-212

Eine Erinnerungswürdige Saison

Uff, das war ein langer Rückblick. Shoutout an euch, wenn ihr bis jetzt gelesen habt. Aber diese Saison verdient es wirklich, dass viel und ausführlich und lange über sie geredet wird. Es gab Spiele, die ich nie im Leben vergessen werde – neben den zwei Nürnberger Bangern (Last-Minute-Thriller-Sieg gegen Köln und dieses spannende Unentschieden gegen den FC Bayern München) ist zum Beispiel auch das torreiche 4:4 zwischen Leipzig und Essen ein Spiel, das mir nachhaltig in Erinnerung bleiben wird. Und das zeigt eine Sache, die diese Saison mehr als deutlich wurde: Es sind nicht mehr nur die Highlight-Spiele der Topvereine, die alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Klar, werde ich als Eintracht-Fan dieses Duell auf Augenhöhe zwischen der Eintracht und Bayern nicht vergessen, auch den Auswärtssieg in Hoffenheim nicht, den ich auch vor Ort sehen konnte. Aber ich erinnere mich auch an das 4:2 zwischen Bremen und Duisburg, das ich auf der Terrasse meiner Mainzer Stammkneipe auf meinem Tablet geschaut habe, während drinnen ein Spiel der Mainz-05-Männer auf den Fernsehern lief. Es war der Tag, an dem ich dieligalebt.de veröffentlicht habe. Ich wollte ein Video aufnehmen, wie ich dort das Spiel schaue und auf die Webseite anstoße – als ich die Kamera drehe, sehe ich in der Innenkamera einen Mann und Mainz 05-Fan, der durchs Fenster hinter mir über meine Schulter aufs Tablet lugt und mitschaut. Den Rest des Spiels hat er aufmerksam mitverfolgt, den souverän geschossenen Elfmeter von Nina Lührßen bewundert, sowie das Hammer-Freistoßtor von Jana Radosavljevic. Danach sagte er, er wolle die Liga nun häufiger schauen. Und mind you, eins der Teams steigt ab. Diese Liga ist sehenswert. Deutscher Frauenfußball ist sehenswert. Und spannend. Und verdient die größten Bühnen. Auch wenn es natürlich stärkere und schwächere Teams gibt – die Schere wird kleiner. Jeder kann jedem gefährlich werden. Die Liga ist kompetitiv, es war eine unfassbar spannende Saison. Ich erinnere mich an die Saison 2023/24 als „Überraschungstüte,“ wie ich sie immer wieder bezeichnet habe. Oder auch mal „Überraschungsei.“

Danke für alles. Wir sehen uns in der Saison 2024/25. Ich kann’s kaum abwarten, die Vereine und Spielerinnen sich weiter entwickeln zu sehen. Es wird. Es wird. ❤


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