Am 09.08. beginnt die AXA Women‘s Super League – die höchste Spielklasse des Schweizer Frauenfußballs. Alle Augen und Ohren sind in Paris. Schlechte Vorzeichen für den Frauenfußball des Landes, in dem die Europameisterschaft im kommenden Jahr stattfinden wird.

Wenn am Freitag der Anpfiff der Saison 24/25 in der Schweizer AXA Women‘s Super League (AWSL) ertönt, sind die Olympischen Spiele noch in vollem Gange. Das Timing könnte besser sein, denke man an die mediale Sichtbarkeit. Immerhin findet nach dem Ende dieser Saison genau hier die UEFA Women‘s EURO 2025 statt. Eine gute Möglichkeit, die Sichtbarkeit des Frauenfußballs im Gastgeberland zu erhöhen. Theoretisch.
Neuerungen
Journalist*innen wie Corine Turrini Flury kritisieren schon seit Langem die strukturellen Unzulänglichkeiten in der Schweizer Frauenliga, auch besonders in Hinblick auf die mediale Aufmerksamkeit. Der altbekannte und ewig leidige Teufelskreis. Dabei verändern sich mit dieser Saison auch einige kleinere Strukturen der höchsten schweizerischen Spielklasse der Frauen. Erstmals wird es einen einheitlichen Ball geben, mit dem alle zehn Teams der Liga spielen und trainieren. Der Ball wird auch für das Cup-Final verwendet. Ausgerüstet wird die Liga hierfür von Ochsner Sport mit einem PUMA Ball.
Auch der Spielmodus wird ein wenig verändert. Die Final-Playoffs bleiben bestehen, wobei das Finale jedoch statt eines einzelnen Spiels an neutraler Stätte ab sofort als Hin- und Rückspiel bei den Finalteilnehmerinnen ausgetragen wird. So muss die Leistung in zwei Spielen bewiesen werden. Außerdem erhoffen sich der Schweizer Fußballverband und die Vereine dadurch mehr Zuschauer*innen durch kürzere Reisewege zu den Spielstätten. Auch interessant: Die Liga-Spiele müssen in Zukunft an einem festen Platz ausgetragen werden und dürfen nicht mehr an andere Spielstätten und Nebenplätze des Vereins verlegt werden – außer es handelt sich um Upgrades.
Alle Teams und die wichtigsten Transfers

In der kommenden Saison werden wieder zehn Teams in der AWSL antreten. In der Karte seht ihr die Vereine:
- FC Basel 1893
- FC Aarau
- Grashoppers Club Zürich
- FC Zürich
- FC Rapperswil-Jona
- FC St. Gallen
- FC Luzern
- BSC Young Boys
- FC Rot-Schwarz Thun
- Servette FCCF
Die beiden letztplatzierten Teams der vergangenen Saison mussten in einem Relegationsturnier mit Hin- und Rückspielen gegen die ersten und zweiten der Nationalliga B antreten. Da die U21 des FC Zürich die Saison auf dem 2. Platz beendeten und als Zweitvertretung nicht aufsteigen dürfen, rückte der FC Sion nach und hatte neben den Meisterinnen des FC Wil 1900 die Chance auf den Aufstieg. Der FC Rapperswil-Jona (9.) konnte mit 4 Siegen den Klassenerhalt sichern. Die Tabellenletzten vom FC Thun konnten im Relegationsturnier in allen Spielen siegen. Demnach bleiben die Teams in der ersten Schweizer Frauenliga auch in der kommenden Saison gleich.
Wer macht das Rennen um die Meisterschaft?
Die vier Halbfinalistinnen der Spiele um die Meisterschaft von 23/24 werden auch in der kommenden Saison die Meisterschaft unter sich ausmachen.
Der FC Basel 1893 hat nach der erfolgreichen Saison mit Trainerin Kim Kulig verlängert und können auch viele der Leistungsträgerinnen halten. Die Toptorschützinnen Ivana Rudelić, Milena Nikolić und auch Aurélie Csillag bleiben; die letzteren beiden haben ihren Vertrag zudem bis 2026 verlängert. An Csillag hatten auch einige Bundesligavereine Interesse geäußert. Sechs Spielerinnen verlassen den Verein, darunter Vanessa Hoti (FC Aarau) und Margarita Gidion (Viktoria Berlin). Vier Neuzugänge aus der AWSL laufen in der kommenden Saison für den FCB auf, außerdem die serbische Nationalspielerin Andjela Krstić sowie 3 Spielerinnen, die aus der eigenen U19 hochgezogen werden.
Die Vizemeisterinnen des FC Zürich starten mit dem neuen Trainer Renato Gligorski in die Saison. Auch im Kader hat sich einiges getan. Einige wichtige Leistungsträgerinnen haben den FC verlassen. Fabienne Humm beendete ihre Karriere, Marion Rey und Oliwia Woś wechselten zur Konkurrenz nach Basel. Keine Spielerin hat in der vergangenen Saison mehr Spielminuten für den FC Zürich absolviert als Woś. Julia Stierli wechselte zum SC Freiburg und die Toptorschützin Viktoria Pinther zu Dijon in die französische Liga. Neuzugänge gibt es auch. Unter anderem: die zweimalige ungarische Nationalspielerin Diána Csányi verstärkt das defensive Mittelfeld, die 19-jährige Marlene Deyß kommt vom HSV nach Zürich und Nachwuchstalent Sury Lamontana kommt aus Wolfsburg in die Schweiz. Ob die Transfers die hochkarätigen Verluste ausgleichen können und der Trainerwechsel sich auszahlt, wird sich zeigen.
Die Frauenabteilung des BSC Young Boys hat bereits in der vergangenen Saison gezeigt, dass sie durchaus vorne mithalten können. Den FC Zürich konnten sie während der regulären Saison zweimal besiegen, vom Servette FCCF trennte man sich beide Male mit einem Rémis – im Pokal unterlagen sie ihnen allerdings. Das Team, übrigens unter der Leitung von Imke Wübbenhorst, hat einige Abgänge zu verkraften, konnte sich allerdings auch mit internationalen Neuzugängen verstärken. Die polnische Torhüterin Natalia Piątek kommt aus der österreichischen Liga von St. Pölten zum Berner Sportclub, aus der niederländischen Eredivisie kommt Wiëlle Douma für die Innenverteidigung, und auch Lisa Josten, zuletzt beim MSV Duisburg, wechselt in die Schweiz. Naomi Luyet, Kapitänin Stephanie Waeber und Imane Beney gelten als Leistungsträgerinnen, die dem BSC YB erhalten bleiben. BSC Young Boys wird oben mitspielen – ob es für die Meisterschaft tatsächlich reicht, ist fraglich.
Die Meisterinnen und Pokalsiegerinnen vom Servette FCCF aus Genf möchten ihr Double natürlich gerne wiederholen. Dafür haben sie sich auch im europäischen Ausland nach Verstärkung umgesehen und konnten so Spielerinnen aus den französischen, italienischen und spanischen Ligen für sich gewinnen: Manon Revelli (Guingamp), Tinja-Riikka Korpella (AS Roma), Rimantė Jonušaitė (AC Milan), Paloma Lazaro (Napoli) und Yenifer Gimenez (Villareal). Aufgrund der anstehenden Champions-League-Qualifikationsturniers ist internationale Erfahrung sicherlich von Vorteil. Die AWSL-Meisterinnen werden am 04.09. gegen Pogoń Szczecin antreten, wo das Miniturnier der Gruppe 7 (Champions Path) auch ausgetragen wird.
In den nächsten 18 Spieltagen können die zehn Teams um die Meisterschaft und gegen den Abstieg kämpfen. Wer dann auf den letzten beiden Plätzen steht, muss sich in der Relegation beweisen. Die Teams auf den Plätzen 1-8 treten in den Playoffs im Europacup-Modus (Hin- und Rückspiele) gegeneinander an. Somit kann theoretisch jedes dieser acht Teams noch die Meisterschaft sichern. Wie bereits erwähnt, wird das Finale dieses Mal allerdings das erste Mal in Hin- und Rückspiel ausgetragen. Realistisch ist, dass sich das Rennen um die Meisterschaft am Ende zwischen den Doublesiegerinnen des Servette FCCF und den ambitionierten Baselerinnen abspielen wird.
Alle Spiele der AWSL können kostenlos auf awsl.ch im Stream verfolgt werden.